WireGuard VPN: MTU richtig einstellen in UniFi Network 10.6
Alles über den MTU-Wert und die Maximale Übertragungseinheit – mit Empfehlungen für Mobilfunk, Starlink, DSL und spanische Glasfaseranbieter (Movistar, Digi, Orange & Co.)
UniFi Network 10.6.101
UniFi OS 5.1 oder neuer
Stand: September 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Unsicher? Setze die WireGuard-MTU auf 1280. Das funktioniert praktisch überall.
- Glasfaser ohne PPPoE (DHCP/IPoE): 1420.
- PPPoE mit 1492 Bytes (z. B. Movistar): 1412.
- PPPoE mit 1500 Bytes (neu seit Network 10.5, nur wenn der Anbieter RFC 4638 unterstützt): 1420.
- Mobilfunk: 1280.
Was ist neu seit UniFi Network 10.2?
Die erste Fassung dieses Artikels bezog sich auf Network 10.2.105. Seitdem haben sich drei Dinge geändert, die für die MTU relevant sind:
| Version | Änderung | Bedeutung für WireGuard |
|---|---|---|
| Network 10.5 (Juni 2026) | PPPoE mit voller MTU 1500 nach RFC 4638 | Unterstützt dein Anbieter das, steigt die WAN-MTU von 1492 auf 1500. Die WireGuard-MTU kann dann von 1412 auf 1420 steigen. Details in Abschnitt 5. |
| Network 10.6 (August 2026) | Test & Confirm (SafeOps) gilt jetzt auch für VPN-Konfigurationen | Verliert das Gateway nach einer VPN-Änderung die Verbindung, nimmt UniFi die Änderung automatisch zurück. Das hilft, wenn du die MTU aus der Ferne änderst. |
| Sicherheitsbulletin SAB 067 (26.08.2026) | Kritische Lücken in Network bis einschließlich 10.4.57 | Bevor du am VPN arbeitest: mindestens Network 10.5.67 einspielen, besser 10.6.101. Cloud Gateways und Dream Machines brauchen UniFi OS 5.1.31 oder neuer. |
Hinweis zu UniFi OS 6.0.7: Diese Version behebt unter anderem einen Fehler, bei dem WireGuard-Clients mit IPv6 nach einem Wechsel des IPv6-Präfixes am WAN die Verbindung verloren. Sie ist Anfang September 2026 aber noch Early Access und gehört nicht auf Kundenanlagen.
1. Was ist die MTU überhaupt?
MTU steht für Maximum Transmission Unit – auf Deutsch: Maximale Übertragungseinheit. Sie bestimmt die größte Datenmenge (in Bytes), die in einem einzelnen Netzwerkpaket verschickt werden darf.
Einfach erklärt: Stell dir vor, du verschickst Umzugskartons mit einem Lieferwagen. Jeder Lieferwagen hat eine maximale Ladegröße – das ist die MTU. Wenn ein Karton zu groß ist, muss er aufgeteilt werden (Fragmentierung), oder er passt gar nicht rein und wird zurückgeschickt. Je besser die Kartongröße zum Lieferwagen passt, desto schneller und zuverlässiger kommt alles an.
Der Standardwert für Ethernet-Netzwerke liegt bei 1500 Bytes. Das bedeutet: Jedes Datenpaket, das dein Router verschickt, darf maximal 1500 Bytes groß sein. Bei VPN-Verbindungen wie WireGuard kommt allerdings ein zusätzlicher „Umschlag” (Header/Overhead) dazu – und genau hier wird es spannend.
2. MTU-Wert vs. Maximale Übertragungseinheit – Was ist der Unterschied?
In UniFi Network begegnen dir zwei Einstellungen, die auf den ersten Blick ähnlich klingen:
Der MTU-Wert (im WireGuard-Interface)
Das ist die MTU, die direkt auf dem WireGuard-Tunnel-Interface gesetzt wird. Sie bestimmt, wie groß die Datenpakete sein dürfen, die durch den VPN-Tunnel selbst geschickt werden. Dieser Wert muss kleiner sein als die MTU der zugrundeliegenden Internetverbindung, weil WireGuard noch seinen eigenen Header (den „VPN-Umschlag”) um jedes Paket wickelt.
Standard-MTU für WireGuard
WireGuard verwendet standardmäßig 1420 Bytes. Das ist 1500 minus 80 Bytes Overhead und passt damit sowohl für Tunnel über IPv4 als auch über IPv6. Auch der UniFi-WireGuard-Server startet mit 1420.
Die Maximale Übertragungseinheit (am WAN-/Netzwerk-Interface)
Diese Einstellung bezieht sich auf die MTU des physischen Netzwerkinterfaces – also die Verbindung zwischen deinem UniFi-Gateway und dem Internet (WAN). Sie legt fest, wie groß Pakete auf der eigentlichen Internetleitung sein dürfen, bevor sie in den VPN-Tunnel gepackt werden.
Wichtig: Die beiden Werte hängen zusammen!
Der MTU-Wert des WireGuard-Tunnels muss immer kleiner sein als die Maximale Übertragungseinheit des WAN-Interfaces. Denn der WireGuard-Header braucht Platz innerhalb des Gesamtpakets.
Der Zusammenhang auf einen Blick
| Einstellung | Bezieht sich auf | Standardwert | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| MTU-Wert | WireGuard-Tunnel (virtuelles Interface) | 1420 | Maximale Paketgröße innerhalb des VPN-Tunnels |
| Maximale Übertragungseinheit | WAN-Interface (physische Verbindung) | 1500 (Ethernet) / 1492 (PPPoE) / 1500 (PPPoE mit RFC 4638, ab Network 10.5) | Maximale Paketgröße auf der Internetleitung inklusive VPN-Header |
3. Warum ist die MTU bei WireGuard so wichtig?
WireGuard verpackt deine Daten in einen verschlüsselten „Umschlag”. Dieser Umschlag hat eine feste Größe:
| Bestandteil | Bytes |
|---|---|
| IPv4-Header (äußerer) | 20 |
| UDP-Header | 8 |
| WireGuard-Header inkl. Authentifizierungs-Tag | 32 |
| Overhead gesamt (IPv4) | 60 Bytes |
| IPv6-Header (äußerer, statt IPv4) | 40 |
| Overhead gesamt (IPv6) | 80 Bytes |
Wenn deine Internetleitung eine MTU von 1500 Bytes erlaubt, bleiben bei IPv4 also maximal 1500 − 60 = 1440 Bytes für die eigentlichen Daten im Tunnel. Bei IPv6 sind es nur noch 1500 − 80 = 1420 Bytes.
IPv4 oder IPv6 – welcher Wert gilt? Entscheidend ist, über welches Protokoll der Tunnel selbst läuft, also wie der Client den VPN-Endpunkt erreicht. Der Verkehr im Tunnel spielt dafür keine Rolle. Wenn du das nicht sicher weißt oder deine Clients mal über IPv4, mal über IPv6 verbinden, nimm den IPv6-Wert.
Wählst du einen zu großen MTU-Wert für den Tunnel, werden die Pakete fragmentiert oder gehen verloren. Das führt zu:
- Langsamen oder abbrechenden Verbindungen
- Webseiten, die nicht laden (besonders HTTPS)
- Timeouts bei Downloads und Uploads
- Instabiler VPN-Verbindung mit häufigen Abbrüchen
4. Wo finde ich die Einstellung in UniFi Network 10.6?
Die MTU stellst du für Server und Client getrennt ein. Die Bezeichnungen können je nach Sprache der Oberfläche leicht abweichen.
WireGuard-Server (Mitarbeiter oder Geräte wählen sich bei dir ein):
- Öffne die UniFi Network App unter
Einstellungen - Gehe zu
VPN→VPN-Server - Wähle deinen WireGuard-Server aus
- Öffne die erweiterten Einstellungen (
Advanced) und trage den Wert im Feld MTU ein - Klicke auf
Änderungen übernehmen
WireGuard-Client (dein Gateway verbindet sich zu einem fremden WireGuard-Server):
Einstellungen→VPN→VPN-Client- WireGuard-Client auswählen
- In den erweiterten Einstellungen MTU eintragen
- Das Feld MSS leer lassen – dann passt UniFi den Wert automatisch an
Achtung: Verbindung wird kurz unterbrochen!
Wenn du den MTU-Wert änderst, während eine WireGuard-Verbindung aktiv ist, wird die Verbindung kurzzeitig getrennt und automatisch neu aufgebaut.
Tipp: Änderungen aus der Ferne absichern
Seit Network 10.6 greift Test & Confirm auch bei VPN-Änderungen. Prüfe in den SafeOps-Einstellungen, ob die Funktion aktiv ist, bevor du an einer entfernten Anlage die MTU änderst. Reißt die Verbindung ab, nimmt UniFi die Änderung automatisch zurück.
Server oder Client – wo ändern? Die WireGuard-MTU wirkt auf die Pakete, die das jeweilige Interface verschickt. Senke sie zuerst auf der Seite mit der schwächeren Leitung, meist beim Client unterwegs (Handy, Laptop im Hotel). Eine Änderung am Server betrifft alle verbundenen Geräte gleichzeitig.
5. Neu seit Network 10.5: PPPoE mit voller MTU 1500
Bisher galt bei PPPoE eine feste Grenze: 8 Bytes gehen für den PPPoE-Header drauf, es bleiben 1492 Bytes. Seit Network 10.5 unterstützen UniFi-Gateways RFC 4638 („Baby Jumbo Frames”). Dabei schickt das Gateway 1508 Bytes große Rahmen an das Glasfasermodem (ONT), und die IP-MTU bleibt bei vollen 1500 Bytes.
Voraussetzungen:
- Dein Anbieter muss RFC 4638 unterstützen. Viele tun das nicht.
- ONT bzw. GPON-SFP-Stick müssen die größeren Rahmen durchlassen.
- Network 10.5 oder neuer auf dem Gateway.
So prüfst du, ob es funktioniert (VPN dabei ausschalten):
ping -D -s 1472 -c 5 8.8.8.8
Das ist der Befehl für macOS. 1472 Bytes Nutzlast plus 28 Bytes Header ergeben genau 1500. Kommen die Pakete durch, läuft deine Leitung mit MTU 1500 und du kannst die WireGuard-MTU auf 1420 setzen. Kommen sie nicht durch, bleibt es bei 1492 und 1412.
Stand bei spanischen Anbietern (September 2026)
- Movistar: Laut Movistar-Community ignoriert das Netz die Anfrage, die MTU bleibt bei 1492.
- O2 (Movistar-Netz): Nutzerberichte sind widersprüchlich. Testen.
- Digi: Nutzer berichten, dass 1500 funktioniert. Testen.
- Orange / Jazztel, Vodafone (PPPoE): Keine belastbaren Angaben. Testen.
Ubiquiti und die Anbieter veröffentlichen dazu keine offizielle Liste. Verlass dich deshalb auf den Ping-Test, nicht auf Forenberichte.
6. Empfohlene MTU-Werte nach Verbindungstyp
Die folgende Tabelle zeigt dir die empfohlenen WireGuard-MTU-Werte für verschiedene Internetverbindungstypen. Der richtige Wert hängt von der MTU deiner zugrundeliegenden Verbindung und davon ab, ob der Tunnel über IPv4 oder IPv6 läuft.
| Verbindungstyp | WAN-MTU | WireGuard MTU (IPv4) | WireGuard MTU (IPv6) | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| Glasfaser (DHCP/IPoE) | 1500 | 1440 | 1420 | Bestmöglicher Wert. Kein PPPoE-Overhead. |
| Glasfaser mit PPPoE (Movistar, Orange, Jazztel) | 1492 | 1432 | 1412 | PPPoE nimmt 8 Bytes weg. Typisch für spanische Anbieter! |
| Glasfaser mit PPPoE und RFC 4638 | 1500 | 1440 | 1420 | Ab Network 10.5, nur wenn der Anbieter mitspielt (siehe Abschnitt 5). |
| DSL / VDSL mit PPPoE | 1492 | 1432 | 1412 | Gleiche Berechnung wie Glasfaser + PPPoE. |
| Kabel-Internet (DOCSIS) | 1500 | 1440 | 1420 | Kein PPPoE, volle MTU verfügbar. |
| Starlink | 1500 | 1420 | 1400 | 20 Bytes Puffer, weil Nutzer schwankende Pfad-MTUs berichten. |
| Mobilfunk (4G/5G) | variabel, oft unter 1500* | 1280–1380 | 1280–1360 | Stark abhängig von Anbieter und Netzqualität. Im Zweifel: 1280. |
| Doppeltes NAT / CGNAT | variabel | 1280–1380 | 1280 | NAT selbst kostet keine Bytes, vorgelagerte Tunnel (z. B. DS-Lite) aber schon. |
| Satelliten-Internet (nicht Starlink) | variabel | 1280 | 1280 | Maximale Kompatibilität. Höhere Latenz unvermeidbar. |
* Mobilfunkanbieter setzen die MTU unterschiedlich. Die tatsächliche MTU kann je nach Standort, Netzlast und Anbieter variieren.
Faustregel für Einsteiger
Wenn du dir unsicher bist, setze den WireGuard-MTU-Wert auf 1280. Das ist der kleinste Wert, den jede IPv6-fähige Verbindung transportieren muss, und er funktioniert deshalb praktisch überall – auch wenn damit etwas Durchsatz verloren geht. Du kannst später schrittweise höher gehen und testen, ob die Verbindung stabil bleibt.
7. Besonderheiten bei spanischen Anbietern
Wer auf Mallorca oder anderswo in Spanien lebt, arbeitet häufig mit Glasfaseranschlüssen (FTTH), die technisch anders funktionieren als etwa in Deutschland. Hier die wichtigsten Details:
Movistar / O2 (Telefónica)
Movistar nutzt für den Internetzugang PPPoE über VLAN 6. Die PPPoE-Zugangsdaten sind öffentlich bekannt (adslppp@telefonicanetpa / adslppp). Durch den PPPoE-Overhead reduziert sich die WAN-MTU auf 1492 Bytes. Die volle MTU 1500 nach RFC 4638 lehnt das Movistar-Netz laut Community-Berichten ab.
Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1412
Orange / Jazztel
Orange nutzt ebenfalls PPPoE, allerdings über eine andere VLAN (üblicherweise VLAN 832 für Internet). Auch hier gilt eine WAN-MTU von 1492 Bytes.
Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1412
Vodafone España (ehemals ONO)
Vodafone setzt in vielen Gebieten DHCP (IPoE) statt PPPoE ein, teilweise aber auch PPPoE. Bei DHCP beträgt die WAN-MTU volle 1500 Bytes, bei PPPoE nur 1492.
Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1420–1440 (DHCP) bzw. 1412 (PPPoE)
Digi (Glasfaser)
Digi nutzt PPPoE mit WAN-MTU 1492. Nutzer berichten, dass Digi RFC 4638 unterstützt. Mit Network 10.5 oder neuer lohnt sich deshalb der Ping-Test aus Abschnitt 5.
Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1412, bei bestätigter MTU 1500 1420
MásMóvil / Pepephone / Yoigo
Diese Anbieter nutzen in der Regel DHCP (IPoE) und erlauben eine WAN-MTU von 1500 Bytes.
Empfohlener WireGuard-MTU-Wert: 1420–1440
Tipp für UniFi mit Movistar GPON
Wenn du deinen Movistar-Router durch ein UniFi Cloud Gateway (z. B. UCG Max, UDM Pro) mit GPON-SFP-Stick ersetzt, musst du die VLAN 6 und PPPoE manuell konfigurieren. Die MTU wird dabei automatisch auf 1492 gesetzt. Achte darauf, dass der WireGuard-MTU-Wert entsprechend angepasst wird.
| Anbieter | Protokoll | VLAN | WAN-MTU | MTU 1500 per RFC 4638? | WireGuard MTU (Empfehlung) |
|---|---|---|---|---|---|
| Movistar / O2 | PPPoE | 6 | 1492 | Movistar: nein, O2: unklar | 1412 |
| Orange / Jazztel | PPPoE | 832 | 1492 | unbekannt | 1412 |
| Vodafone (DHCP) | IPoE/DHCP | 100 | 1500 | nicht nötig | 1420–1440 |
| Vodafone (PPPoE) | PPPoE | 100 | 1492 | unbekannt | 1412 |
| Digi | PPPoE | 20 | 1492 | laut Nutzern ja | 1412, mit RFC 4638: 1420 |
| MásMóvil / Yoigo | IPoE/DHCP | 20 | 1500 | nicht nötig | 1420–1440 |
| Starlink (Mallorca) | DHCP | – | 1500 | nicht nötig | 1400–1420 |
Hinweis: VLAN-IDs können je nach Region und Installationszeitpunkt variieren. Im Zweifel die Konfiguration im bestehenden Router prüfen.
8. Typische Probleme bei falschem MTU-Wert
Ein falsch eingestellter MTU-Wert verursacht Symptome, die auf den ersten Blick wie ein komplett anderes Problem aussehen können:
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| VPN verbindet, aber keine Webseiten laden | MTU zu hoch – große HTTPS-Pakete werden verworfen | MTU schrittweise um 20 reduzieren |
| Ping funktioniert, aber Downloads brechen ab | Kleine Ping-Pakete passen, große Datenpakete nicht | MTU auf 1280 setzen, dann hocharbeiten |
| Nur bestimmte Webseiten laden nicht | Seiten mit großen TLS-Handshakes werden fragmentiert | MTU auf 1380 oder niedriger |
| Langsame VPN-Geschwindigkeit | MTU zu niedrig – unnötig viele kleine Pakete | MTU schrittweise erhöhen |
| VPN bricht auf Mobilfunk immer wieder ab | Wechselnde Mobilfunkzellen mit unterschiedlichen MTUs | MTU auf 1280 (sicherster Wert) |
| VPN funktioniert zu Hause, aber nicht unterwegs | Heimnetz hat höhere MTU als Mobilfunk/Hotel-WLAN | Client-MTU auf 1280 setzen |
| Nach Umstellung auf PPPoE mit 1500 hakt das VPN | Anbieter oder ONT lassen die größeren Rahmen doch nicht durch | Ping-Test mit 1472 wiederholen, sonst WireGuard zurück auf 1412 |
9. Für Power-User: So berechnest du den optimalen MTU-Wert
Wenn du den bestmöglichen Durchsatz aus deiner WireGuard-Verbindung herausholen willst, lohnt es sich, den MTU-Wert exakt zu berechnen statt einen konservativen Standardwert zu nehmen.
Die Formel
WireGuard MTU = WAN-MTU − WireGuard-Overhead
IPv4: WireGuard MTU = WAN-MTU − 60
IPv6: WireGuard MTU = WAN-MTU − 80
Der WireGuard-Overhead im Detail
| Bestandteil | IPv4 (Bytes) | IPv6 (Bytes) |
|---|---|---|
| Äußerer IP-Header | 20 | 40 |
| UDP-Header | 8 | 8 |
| WireGuard-Header (Nachrichtentyp, reserviert, Empfänger-Index) | 8 | 8 |
| WireGuard-Counter (Nonce) | 8 | 8 |
| Poly1305-Authentifizierungs-Tag | 16 | 16 |
| Gesamt-Overhead | 60 | 80 |
Berechnungsbeispiele
| Szenario | WAN-MTU | Abzug | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Glasfaser ohne PPPoE, IPv4 | 1500 | − 60 | 1440 |
| Glasfaser ohne PPPoE, IPv6 | 1500 | − 80 | 1420 |
| Movistar FTTH (PPPoE), IPv4 | 1492 | − 60 | 1432 |
| Movistar FTTH (PPPoE), IPv6 (empf.) | 1492 | − 80 | 1412 ✅ |
| PPPoE mit RFC 4638 (z. B. Digi), IPv6 | 1500 | − 80 | 1420 |
| Starlink (konservativ), IPv6 | 1500 | − 80 − 20* | 1400 |
* Bei Starlink empfiehlt es sich, zusätzlich 20 Bytes Puffer abzuziehen, da Nutzer schwankende Pfad-MTUs berichten.
Warum 1412 der „goldene Wert” für Spanien ist
Die meisten spanischen FTTH-Anbieter verwenden PPPoE mit 1492 Bytes. 1412 berücksichtigt sowohl den PPPoE-Overhead (8 Bytes) als auch den größeren WireGuard-Overhead bei IPv6 (80 Bytes) und funktioniert damit unabhängig davon, ob der Tunnel über IPv4 oder IPv6 läuft. Nur wenn dein Anbieter nachweislich RFC 4638 unterstützt, darfst du auf 1420 gehen.
MSS Clamping – ein wichtiges Detail
Neben der MTU gibt es noch den MSS-Wert (Maximum Segment Size). Er betrifft nur TCP-Verbindungen und wird in der Regel automatisch angepasst. Die Formel lautet:
MSS = MTU − 40 (IPv4) bzw. MTU − 60 (IPv6)
Bei einer WireGuard-MTU von 1412 ergibt sich also ein MSS von 1372 (IPv4) bzw. 1352 (IPv6). UniFi-Gateways setzen MSS Clamping automatisch, solange du das MSS-Feld im WireGuard-Client leer lässt. Trägst du dort einen festen Wert ein, musst du ihn bei jeder MTU-Änderung selbst mitziehen.
10. MTU testen und überprüfen
Um die MTU deiner Leitung empirisch zu ermitteln, führst du auf deinem Computer einen Ping-Test ohne Fragmentierung durch. Schalte das VPN dabei aus, denn du misst die Leitung zum VPN-Endpunkt.
Auf macOS (Terminal)
ping -D -s 1472 -c 5 8.8.8.8
Auf Linux (Terminal)
ping -M do -s 1472 -c 5 8.8.8.8
Auf Windows (CMD)
ping -f -l 1472 8.8.8.8
-D (macOS), -M do (Linux) und -f (Windows) verhindern die Fragmentierung. Starte mit 1472 und verringere den Wert, bis die Pakete durchkommen. Unter Windows erscheint sonst „Paket müsste fragmentiert werden”. Die Rechnung:
- Größter funktionierender Wert + 28 (IP- und ICMP-Header) = Pfad-MTU deiner Leitung
- Pfad-MTU − 80 = sichere WireGuard-MTU
Beispiel: 1464 kommt durch, 1465 nicht. 1464 + 28 = 1492 (typisch PPPoE), 1492 − 80 = 1412.
Über die UniFi-Konsole (SSH)
SSH aktivierst du unter Einstellungen → Control Plane → Konsole. Danach kannst du dich auf dein UniFi-Gateway verbinden und die gesetzten Werte prüfen:
ip link show | grep -i -A1 wg
Das zeigt die WireGuard-Interfaces samt MTU. Ob deine PPPoE-Verbindung mit 1492 oder 1500 läuft, siehst du mit:
ip link show ppp0
Vorgehensweise zum Optimieren
-
Starte mit dem konservativen Wert 1280 und teste die Verbindung.
-
Erhöhe schrittweise um 20 (1300, 1320, 1340 …).
-
Teste nach jeder Änderung: VPN-Aufbau, Webseitenladen, Speed-Test.
-
Der höchste stabile Wert ist dein optimaler MTU-Wert.
11. Zusammenfassung & Fazit
In UniFi Network 10.6 stellst du die WireGuard-MTU für Server und Client direkt in der Oberfläche ein. Die größte Neuerung für Anschlüsse in Spanien kam mit Network 10.5: PPPoE mit voller MTU 1500. Davon profitierst du aber nur, wenn dein Anbieter RFC 4638 unterstützt – bei Movistar ist das derzeit nicht der Fall. Network 10.6 bringt mit Test & Confirm für VPN-Änderungen zusätzlich ein Sicherheitsnetz für Arbeiten aus der Ferne.
Die wichtigsten Punkte:
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was ist der Unterschied zwischen „MTU-Wert” und „Maximale Übertragungseinheit”? | MTU-Wert = Paketgröße im VPN-Tunnel. Maximale Übertragungseinheit = Paketgröße auf der physischen Leitung. Die Tunnel-MTU muss kleiner sein. |
| Welchen Wert soll ich nehmen, wenn ich unsicher bin? | 1280 – funktioniert überall, auch wenn nicht optimal. |
| Bester Wert für Movistar/Orange auf Mallorca? | 1412 – berücksichtigt PPPoE + IPv6-Overhead. |
| Ich habe PPPoE mit MTU 1500 (RFC 4638). Welcher Wert? | 1420 – aber erst nach bestandenem Ping-Test mit 1472. |
| Bester Wert für Starlink? | 1400–1420 – mit etwas Puffer. |
| Bester Wert für Mobilfunk? | 1280 – maximale Kompatibilität bei wechselnden Netzen. |
| Welche Version sollte ich mindestens haben? | Network 10.5.67 wegen des Sicherheitsbulletins SAB 067, besser 10.6.101. |
Häufiger Fehler
Setze den WireGuard-MTU-Wert niemals auf 1500 oder höher. Das führt fast immer zu Problemen, da kein Platz mehr für den WireGuard-Overhead bleibt. Selbst bei einer WAN-MTU von 1500 – auch mit PPPoE nach RFC 4638 – darf die Tunnel-MTU maximal 1440 (IPv4) bzw. 1420 (IPv6) betragen.