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Wie funktioniert das Glasfasernetz von Movistar auf Mallorca?

Wie funktioniert das Glasfasernetz von Movistar auf Mallorca?

Eine Erklärung für Einsteiger – vom Unterseekabel bis zum Router im Wohnzimmer.

Fast jedes Dorf auf Mallorca ist inzwischen mit Glasfaser (spanisch „fibra óptica”) versorgt. Der graue Kasten am Holzmast, das dünne schwarze Kabel an der Hauswand, die kleine weiße Box neben dem Router – das alles gehört zu einem einzigen System. Hier erklären wir, wie es zusammenhängt.


1. Was ist Glasfaser überhaupt?

Statt Strom durch Kupferdraht schickt Glasfaser Lichtblitze durch einen Glasfaden, der dünner als ein Haar ist. Licht hat drei große Vorteile: Es ist extrem schnell, es wird über viele Kilometer kaum schwächer, und es ist unempfindlich gegen Gewitter, Feuchtigkeit und elektrische Störungen – auf Mallorca ein echtes Argument.

2. Wo kommt das Internet her? Das Unterseekabel

Mallorca ist eine Insel, das Internet kommt also vom Festland. Mehrere Unterseekabel verbinden Palma mit Valencia und Barcelona. In diesen Kabeln laufen Dutzende Glasfasern, jede davon transportiert Hunderte Gigabit pro Sekunde. Auf dem Festland geht es weiter zu den großen Internet-Knoten in Madrid, Marseille und Frankfurt.

3. Das Rückgrat auf der Insel (Backbone)

Von der Landestation bei Palma führt ein Glasfaser-Ring über die ganze Insel zu den Vermittlungsstellen („centrales”) – eine in fast jedem größeren Ort, etwa Llucmajor, Campos oder Manacor. Diese Gebäude sind die alten Telefonzentralen, in denen heute die Glasfasertechnik steht.

4. Die Zentrale: der OLT

In der Vermittlungsstelle steht das wichtigste Gerät der ganzen Kette, der OLT (Optical Line Terminal). Man kann ihn sich als riesigen Verteiler vorstellen: Auf der einen Seite hängt er am Backbone, auf der anderen Seite gehen Hunderte Glasfasern in die Straßen des Ortes. Jeder einzelne Anschluss am OLT versorgt später bis zu 64 Haushalte.

5. Der Trick: eine Faser für viele Häuser (Splitter)

Jetzt kommt das Prinzip, das Glasfaser so günstig macht. Movistar legt nicht für jedes Haus eine eigene Faser bis zur Zentrale. Stattdessen wird eine Faser unterwegs passiv aufgeteilt – mit einem sogenannten Splitter.

Ein Splitter ist ein winziges Glasbauteil ohne Strom und ohne Elektronik. Er teilt das Licht einer Faser gleichmäßig auf 4, 8 oder 16 Ausgänge auf – wie ein Prisma. Meist wird zweimal geteilt: zuerst 1:4 in einer Verteilmuffe im Ort, dann noch einmal 1:16 direkt am Mast. So teilen sich bis zu 64 Haushalte einen Anschluss am OLT. Das nennt man GPON (Gigabit Passive Optical Network).

„Teilen” klingt nach langsam – ist es aber nicht. Die Faser trägt 2,5 Gbit/s zu den Kunden und 1,25 Gbit/s zurück (bei der neueren Variante XGS-PON sogar 10 Gbit/s in beide Richtungen). Selbst wenn alle 64 Haushalte gleichzeitig surfen, bleibt für jeden weit mehr übrig, als ein normaler Haushalt braucht.

6. Der Kasten am Mast: die CTO

Der beige Kasten am Holzmast heißt CTO (Caja Terminal Óptica). In ihm sitzt der letzte Splitter, und unten an der Box sind 8 oder 16 Steckplätze. Jeder Steckplatz ist ein Haus. Jede CTO hat eine Nummer, etwa „0‑31026” – mit dieser Nummer prüft der Anbieter, ob an deiner Adresse noch ein Platz frei ist.

Bei einer Neuinstallation steckt der Techniker einfach ein vorkonfektioniertes Kabel in einen freien Platz. Kein Spleißen, keine Bauarbeiten – deshalb dauert ein Anschluss auf Mallorca meist nur eine Stunde.

7. Das Kabel zum Haus (Drop) und die PTRO

Von der CTO läuft ein dünnes schwarzes Kabel mit einer einzigen Faser zu deinem Haus – der Drop. An der Hauswand oder im Flur endet es in einer kleinen weißen Dose, der PTRO (Punto de Terminación de Red Óptica). Bis hierhin gehört das Netz Movistar, ab hier beginnt deine Verantwortung.

8. Im Haus: ONT und Router

Die Faser endet an der ONT (Optical Network Terminal) – die kleine Box mit den grünen Lämpchen. Sie verwandelt das Licht wieder in Netzwerksignale. Bei den meisten Movistar-Anschlüssen ist die ONT heute direkt im Router eingebaut (HGU); früher waren es zwei getrennte Geräte.

Der Router verteilt dann per WLAN und Netzwerkkabel im Haus. Und genau hier liegt in der Praxis das Nadelöhr: Eine Glasfaser mit 1 Gbit/s nützt wenig, wenn das WLAN des Standard-Routers nur bis in den Nachbarraum reicht. Eine dicke Steinwand, wie bei mallorquinischen Fincas üblich, schluckt mehr als das ganze Unterseekabel.

9. Kurzer Vergleich: Spanien vs. Deutschland

Technisch ist Glasfaser überall dasselbe (GPON/XGS-PON, ein weltweiter Standard) – der Unterschied liegt im Ausbau:

SpanienDeutschland (Telekom)
Verfügbar (Homes passed)ca. 96 % der Haushalteca. 44 %
Tatsächlich angeschlossenca. 91 % davonnur ca. 24 % davon
Kupfernetz2025 komplett abgeschaltetnoch weit verbreitet (VDSL)
Netzstrukturein Netz (Movistar), andere mieten sich einstark fragmentiert (Telekom, Deutsche Glasfaser, Kabelnetze, Stadtwerke)

Spanien hat also nicht nur früher, sondern auch flächendeckender und einheitlicher ausgebaut. In Deutschland liegt Glasfaser zwar zunehmend in der Straße, wird aber – anders als hier – oft gar nicht bestellt: Das eigentliche Nadelöhr ist dort inzwischen die Anschlussquote, nicht der Ausbau selbst.

(Quellen: Bundesnetzagentur-Jahresbericht 2025, spanisches Digitalministerium, Stand 2025.)


Häufige Fragen

Sieht der Nachbar meine Daten, wenn wir uns eine Faser teilen? Nein. Jeder Anschluss bekommt vom OLT einen eigenen Schlüssel, die Daten sind verschlüsselt (AES). Die ONT des Nachbarn kann deine Pakete nicht entschlüsseln.

Warum ist mein Upload langsamer als der Download? Bei klassischem GPON teilen sich alle Haushalte die Rückrichtung im Zeitmultiplex. Bei XGS-PON-Tarifen (z. B. 10 Gbit/s symmetrisch) fällt dieser Unterschied weg.

Kann Movistar mein Netz aus der Ferne prüfen? Ja, teilweise. Der OLT misst den Lichtpegel jeder ONT. Ein typischer Wert liegt bei −15 bis −25 dBm. Ist er deutlich schlechter, ist meist das Drop-Kabel geknickt oder ein Stecker verschmutzt.

Was ist, wenn die CTO voll ist? Dann muss Movistar eine zweite CTO am Mast montieren oder auf einen anderen Splitter umstecken. Das kann Wochen dauern – deshalb lohnt es sich, vor einem Umzug die Verfügbarkeit genau zu prüfen.

Digi, O2, Finetwork – nutzen die das gleiche Netz? Meistens ja. Viele Anbieter mieten Movistar-Fasern bis zur CTO und betreiben nur eigene OLTs oder gar nur eigene Router. Die Technik auf dem Mast ist identisch.


Was JumpIT für dich tut

Wir planen und bauen das Netz hinter der PTRO: Verkabelung im Haus, professionelles WLAN (UniFi) für Fincas mit dicken Mauern, Nebengebäude per Funkstrecke, VPN und Fernwartung. Und wenn der Glasfaseranschluss selbst Probleme macht, messen wir den Lichtpegel und sprechen für dich mit dem Anbieter – auf Spanisch.

Siehe auch: Glasfasertechnologie in Spanien – Movistar, Orange, Vodafone und regionale Anbieter im Vergleich

Kontakt: jumpit.eu · JumpIT Netzwerk Service, Llucmajor

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