Was passiert in Spanien?

Seit Februar 2025 blockieren spanische Internetanbieter (Movistar, Vodafone, Orange, Digi) im Auftrag der LaLiga und ihres Broadcast-Partners Telefónica jedes Wochenende tausende IP-Adressen. Ziel ist es, illegale Fußball-Streams zu unterbinden.

Das Problem: LaLiga sperrt nicht einzelne Domains, sondern ganze IP-Adressen. Moderne Internet-Infrastruktur funktioniert aber so, dass sich tausende, manchmal hunderttausende Websites eine einzige IP-Adresse teilen – insbesondere bei großen Anbietern wie Cloudflare, Vercel oder GitHub Pages.

⚠️ Kollateralschaden dokumentiert
Über 13.500 legitime Websites wurden bereits versehentlich gesperrt, darunter ChatGPT, Instagram, LinkedIn, Microsoft-Dienste, Google Fonts, Banking-Apps, Behörden-Websites und sogar die Seiten einiger LaLiga-Vereine selbst. Betroffen sind auch viele .es, .cat und .eus Domains kleiner und mittlerer Unternehmen.

Die Sperren treten hauptsächlich an LaLiga-Spieltagen auf – typischerweise am Wochenende und an ausgewählten Wochentagen während der Live-Übertragungen.

Chronik der Ereignisse

  • Dezember 2024 Handelsgericht Barcelona ermächtigt LaLiga, spanische ISPs zur IP-Sperrung zu verpflichten.
  • Februar 2025 Erste massive Overblocking-Vorfälle. Rund 3.000 IP-Adressen werden jedes Wochenende gesperrt. Google Fonts, Zahlungsplattformen und institutionelle Seiten betroffen.
  • März 2025 Gericht in Barcelona weist alle Einsprüche ab – keine Berufung möglich. Cloudflare reicht Verfassungsbeschwerde ein.
  • Oktober 2025 Spanisches Parlament lehnt Gesetzesvorschlag zur Einschränkung der dynamischen IP-Sperren ab.
  • Februar 2026 LaLiga gewinnt Gerichtsbeschluss gegen NordVPN und ProtonVPN – VPN-Anbieter müssen IP-Adressen sperren. Die Anbieter wurden nicht vorher angehört. LaLiga blockiert versehentlich das US-Regierungsportal freedom.gov.
  • April 2026 Cloudflare-CEO Matthew Prince wird vor ein Madrider Gericht geladen. Cloudflare warnt öffentlich vor Overblocking als Systemfehler.

Wer ist betroffen?

Als Endnutzer sind Sie betroffen, wenn Sie über einen spanischen ISP (Movistar, Vodafone, Orange, Digi, MásMóvil) ins Internet gehen. Websites, die Cloudflare, Vercel, BunnyCDN oder ähnliche CDN-Dienste nutzen, können während Spieltagen unerreichbar sein – ohne Vorwarnung und ohne Fehlermeldung.

Als Website-Betreiber verlieren Sie potentiell spanische Besucher, wenn Ihre Website über einen betroffenen CDN-Dienst läuft. Das ist besonders kritisch für Unternehmen auf Mallorca, die ihre Dienste lokalen und internationalen Kunden anbieten.

ℹ️ Kurze Antwort
Starlink ist als in Spanien lizenzierter Internetanbieter grundsätzlich an spanisches Recht gebunden. Bisher richten sich die konkreten Gerichtsanordnungen jedoch namentlich an die großen spanischen ISPs (Movistar, Vodafone, Orange, Digi). Starlink-Nutzer sind daher aktuell weniger betroffen – das kann sich aber jederzeit ändern, wenn LaLiga den Kreis der verpflichteten Anbieter ausweitet.

Unabhängig davon kann es bei Starlink zu Einschränkungen kommen, wenn DNS-Anfragen über spanische DNS-Server laufen, die LaLiga-Sperrlisten umsetzen. Daher empfehlen wir auch für Starlink-Nutzer die unten genannten Schutzmaßnahmen.

Häufige Fragen

Warum lädt meine Website am Wochenende nicht, obwohl sie unter der Woche funktioniert?
Die IP-Sperren werden dynamisch nur während LaLiga-Spieltagen aktiviert. Wenn Ihre Website eine IP-Adresse mit einem gesperrten Dienst teilt (z. B. über Cloudflare), ist sie nur während dieser Zeitfenster unerreichbar.
Kann ich als normaler Nutzer etwas Illegales tun, wenn ich die Sperren umgehe?
Die Nutzung alternativer DNS-Server oder eines VPN ist in Spanien legal. Illegal ist das Anschauen nicht-lizenzierter Streams – nicht die Nutzung von Netzwerk-Werkzeugen. Sie haben das Recht, auf legale Inhalte zuzugreifen, auch wenn diese fälschlich gesperrt werden.
Warum werden ganze IP-Adressen gesperrt und nicht einzelne Domains?
Technisch wäre eine gezielte Sperrung über SNI-Filterung möglich, bei der nur die konkrete Domain blockiert wird. Die spanischen ISPs setzen jedoch auf die einfachere, aber deutlich gröbere IP-Sperrung. Cloudflare kritisiert dieses Vorgehen als unverhältnismäßig.
Betrifft das auch mein Smart Home oder IoT-Geräte?
Ja, potenziell. Wenn Ihre Home Assistant-Installation, Cloud-Dienste oder IoT-Plattformen Server nutzen, die hinter gesperrten IP-Adressen liegen, können auch diese ausfallen. Besonders Cloud-basierte Smart-Home-Dienste sind anfällig.
Sind auch andere Länder betroffen?
Italien hat mit dem „Piracy Shield” ein ähnliches System, das ebenfalls massive Overblocking-Probleme verursacht hat (Google Drive war zeitweise gesperrt). Belgien, Dänemark und Frankreich verschärfen ebenfalls ihre Anti-Piraterie-Gesetze. Spanien ist jedoch aktuell das am stärksten betroffene Land in Europa.

Lösungen für Bewohner und Unternehmen

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DNS-Server ändern

Nutzen Sie alternative DNS-Server wie Quad9 (9.9.9.9), Cloudflare DNS (1.1.1.1) oder Google DNS (8.8.8.8) in Ihrem Router. Hilft gegen DNS-basierte Sperren.

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DNS over HTTPS (DoH)

Verschlüsselt DNS-Anfragen, damit Ihr ISP diese nicht manipulieren kann. In den meisten modernen Browsern und auf UniFi-Routern konfigurierbar.

Teilweise effektiv

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Starlink nutzen

Starlink ist aktuell nicht in den Gerichtsanordnungen benannt und daher weniger betroffen als traditionelle spanische ISPs. Kein Allheilmittel, aber ein Vorteil.

Aktuell vorteilhaft

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Die sicherste Kombination für Bewohner auf Mallorca: Starlink im Bridge-Modus hinter einem UniFi-Router mit eigenem DNS-Server und einem WireGuard-VPN-Tunnel nach Deutschland. So sind Sie gegen alle aktuellen und zukünftigen Sperrmechanismen geschützt.

Was Unternehmen mit eigener Website tun sollten

Wenn Sie ein Unternehmen auf Mallorca betreiben und Ihre Website Cloudflare nutzt, sollten Sie prüfen, ob spanische Kunden während Spieltagen auf Ihre Seite zugreifen können. Folgende Optionen stehen zur Verfügung:

  • Cloudflare „DNS only”-Modus: Deaktivieren Sie den Cloudflare-Proxy (Orange Cloud → Grey Cloud). Ihre Website nutzt dann direkt Ihre eigene Server-IP und wird nicht mitgesperrt. Nachteil: Sie verlieren CDN-Caching und DDoS-Schutz.
  • Dedizierte IP-Adresse: Mit einem Cloudflare Enterprise-Plan erhalten Sie eine eigene IP, die nicht mit anderen Domains geteilt wird. Kostenintensiv, aber zuverlässig.
  • Alternativen CDN-Anbieter: Prüfen Sie Anbieter, die aktuell nicht auf den LaLiga-Sperrlisten stehen. Beachten Sie jedoch, dass sich die Situation jederzeit ändern kann.
  • Monitoring einrichten: Überwachen Sie die Erreichbarkeit Ihrer Website aus Spanien, besonders an Wochenenden. Tools wie UptimeRobot oder Pingdom mit spanischen Prüfpunkten helfen dabei.

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