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UniFi Network 10.1 – Was ist neu, was ist der WiFi Doctor, und wie funktioniert das alles?

Ubiquiti hat mit UniFi Network 10.1 (veröffentlicht Februar 2026) ein Update geliefert, das sich weniger um neue Hardware dreht als um ein klares Versprechen: Netzwerke sollen stabiler, transparenter und einfacher zu verwalten sein. Die auffälligste Neuerung: der WiFi Doctor – ein automatisches Diagnose- und Reparatur-Tool, das häufige WLAN-Probleme mit einem einzigen Klick beheben soll.

Dieser Artikel erklärt zuerst die Grundlagen des UniFi Network Controllers – was er ist, wie er funktioniert und wie man ihn bedient. Dann geht es tief in die Neuerungen von Version 10.1, und vor allem in den WiFi Doctor: was er kann, was er nicht kann, und was die Community an ihm kritisiert.


Teil 1: UniFi Network – die Grundlagen


1. Was ist UniFi Network überhaupt?

UniFi Network ist die zentrale Verwaltungssoftware für alle Ubiquiti UniFi-Geräte: Switches, Access Points, Gateways (Router), Kameras und mehr.

Das Prinzip dahinter ist das Konzept des SDN – Software Defined Networking: Die gesamte Netzwerkkonfiguration und -überwachung geschieht nicht auf jedem Gerät einzeln (per Telnet, SSH oder geräteeigenem Webinterface), sondern zentral über eine einzige Oberfläche. Das ist der Controller.

Analogie: Stellen Sie sich vor, Sie verwalten ein Gebäude mit 20 Zimmern. Ohne Controller müssen Sie in jedes Zimmer einzeln gehen, um eine Einstellung zu ändern. Mit dem Controller stehen alle Zimmer auf einem einzigen Bildschirm – Sie ändern etwas einmal, und es gilt für alle.

Was der Controller nicht ist: Er ist kein aktives Netzwerkgerät. Das Netzwerk läuft auch, wenn der Controller gerade offline ist. Der Controller ist reine Verwaltung – er schreibt die Konfiguration auf die Geräte, und die Geräte führen sie aus. Das ist ein wichtiger Unterschied, den viele Einsteiger anfangs verwirrt.


2. Wo läuft der UniFi Network Controller?

Der Controller ist eine Software – und sie kann auf verschiedenen Wegen betrieben werden:

Option 1: Cloud Gateway / UDM (empfohlen) Die einfachste und professionellste Lösung: Das Cloud Gateway (z.B. UCG-Ultra, UDM-SE, UDR) hat den Controller bereits eingebaut. Einschalten, einrichten, fertig. Kein separater PC, kein Server, keine Cloud-Abhängigkeit für den Betrieb.

Option 2: UniFi Cloud Key Ein kleiner USB-Stick-ähnlicher Rechner, der ausschließlich den Controller hostet. Wird per PoE am Switch betrieben. Sinnvoll, wenn man bereits einen eigenen Router hat und keinen UDM kaufen möchte.

Option 3: Selbst gehosteter Controller (UniFi Network Application) Die Controller-Software kann auf einem eigenen PC, einem Raspberry Pi, einer NAS oder einem Linux-Server installiert werden. Für Profis, die volle Kontrolle wollen. Nachteil: Man muss selbst für Updates, Backups und Verfügbarkeit sorgen.

Option 4: UniFi Cloud Console (hosted) Ubiquiti bietet einen cloud-gehosteten Controller an. Das Netzwerk wird dann von Ubiquiti-Servern verwaltet. Für Privatanwender selten nötig, für MSPs (Managed Service Provider) mit vielen Standorten zunehmend interessant.

Wichtig für die Wahl: Einige Features – darunter der neue WiFi Doctor – erfordern zwingend ein Cloud Gateway oder die Remote-Access-Funktion. Wer einen selbst gehosteten Controller ohne Cloud-Gateway betreibt, hat keinen Zugriff auf alle Features. Dazu mehr in Abschnitt 9.


3. Die UniFi Network Oberfläche – was findet man wo?

Die Oberfläche gliedert sich in wenige klare Bereiche:

Dashboard Die Startseite. Zeigt Netzwerkstatus, angeschlossene Geräte, Datenverkehr und Alarme auf einen Blick. Hier sieht man sofort, ob etwas nicht stimmt.

Devices (Geräte) Alle adoptierten UniFi-Geräte: Switches, Access Points, Gateways. Pro Gerät: Firmware-Version, Uptime, PoE-Verbrauch, Ports, verbundene Clients. Von hier aus kann man Firmware-Updates anstoßen, Ports konfigurieren und Geräte neu starten.

Clients (Clients) Alle verbundenen Endgeräte: Laptops, Smartphones, Kameras, IoT-Geräte. Man sieht IP-Adresse, MAC-Adresse, Signal, Verbindungstyp, VLAN. Von hier aus kann man feste IP-Adressen vergeben (DHCP-Reservierung), Geräte umbenennen und Verbindungshistorie einsehen.

Settings (Einstellungen) Das Herzstück. Hier wird alles konfiguriert:

  • Networks: VLANs anlegen, IP-Bereiche definieren, DHCP einstellen
  • WiFi: SSIDs anlegen, Passwörter, Bänder, Roaming-Einstellungen, VLAN-Zuordnung
  • Routing & Firewall: Firewall-Regeln, Traffic-Regeln, Port-Weiterleitungen, Inter-VLAN-Routing
  • VPN: WireGuard, OpenVPN, Site-to-Site-VPN
  • System: Controller-Backups, Updates, Remote Access, Benutzer

WiFi → AirView Kanal-Analyse, RF-Umgebung, und seit 10.1: die Roaming Journey (mehr dazu in Abschnitt 11).

Topology Visuelle Darstellung des Netzwerks: Welches Gerät hängt an welchem Port, welcher Switch ist upstream, welche Clients sind verbunden. Bei komplexeren Netzen extrem hilfreich.


4. Adopt – wie kommen Geräte in den Controller?

Ein neues UniFi-Gerät kennt den Controller zunächst nicht. Es muss erst adoptiert (registriert) werden. Das Verfahren:

  1. Gerät mit Strom und Netzwerk verbinden
  2. Im Controller erscheint es als „Pending Adoption” (wartet auf Aufnahme)
  3. Auf „Adopt” klicken
  4. Der Controller übertragt seine Konfiguration auf das Gerät
  5. Das Gerät startet neu und ist danach „Online” im Controller

Bei einem Cloud Gateway geschieht das oft automatisch, wenn das Gerät im gleichen Netzwerk hängt. Bei einem selbst gehosteten Controller muss man dem Gerät per SSH oder DHCP-Option mitteilen, wo der Controller zu finden ist.

Wichtig: Wenn ein Gerät resettet wird (langer Reset-Druck), verlässt es den Controller und muss neu adoptiert werden. Die Gerätekonfiguration wird dabei gelöscht – der Controller merkt es und zeigt das Gerät wieder als „Pending”.


5. Updates, Backups und Fernzugriff

Firmware-Updates UniFi-Geräte erhalten regelmäßig Firmware-Updates. Diese können manuell angestoßen oder automatisch eingeplant werden (z.B. nachts um 3 Uhr). Wichtig: Updates immer in Ruhezeiten durchführen – ein AP startet dabei kurz neu (~30 Sekunden Downtime).

Der Controller zeigt pro Gerät an, ob ein Update verfügbar ist, und bietet einen Vergleich der Änderungen. Upgrade-Pfade werden automatisch geprüft.

Backups Der Controller erstellt automatische Backups der Konfiguration. Diese können auf Knopfdruck auf einen PC heruntergeladen oder in einer Cloud gespeichert werden. Im Fehlerfall lässt sich die gesamte Konfiguration in wenigen Minuten wiederherstellen – auf demselben oder einem neuen Controller.

Fernzugriff (Remote Access) Sobald Remote Access aktiviert ist (Einstellungen → System → Remote Access), kann man den Controller von überall über unifi.ui.com erreichen – ohne VPN, ohne Port-Weiterleitung. Das funktioniert über Ubiquitis Cloud-Infrastruktur als Relay.

Für den WiFi Doctor und einige andere Features ist Remote Access zwingend erforderlich – das ist eine der häufigsten Fragen in der Community: „Warum sehe ich den WiFi Doctor nicht?” Antwort: Remote Access ist nicht aktiv.


Teil 2: UniFi Network 10.1 – Was ist neu?


6. Was ist UniFi Network 10.1?

UniFi Network 10.1 wurde am 2. Februar 2026 von Ubiquiti offiziell angekündigt. Die finale Release-Candidate-Version trägt die Nummer 10.1.83.

Das Update ist kein Feature-Feuerwerk, sondern ein gezielter Stabilitäts- und Professionalisierungsschub. Ubiquiti selbst beschreibt es als „einen bewussten Schritt hin zu felsenfest stabilen, vorhersehbaren und professionell verwalteten Netzwerken.”

Die vier großen Neuerungen auf einen Blick:

Feature Was es bringt
WiFi Doctor Automatische Diagnose und Reparatur häufiger WLAN-Probleme
High Availability 2.0 Redundante Gateways einfacher einrichten und testen
Roaming Journey Visualisierung, wie sich Endgeräte zwischen Access Points bewegen
UniFi Site Manager Zentrale Verwaltung mehrerer Standorte (Early Access)

Hinzu kommen: Starlink-Integration mit Signalstärke-Anzeige, Geräte-Tags, optionale AP-Namensübertragung, verbessertes Log-Filtering und rund ein Dutzend Bug-Fixes.


7. High Availability 2.0 – Redundanz für kritische Netzwerke

High Availability (HA) bedeutet: Wenn das primäre Gateway ausfällt, übernimmt automatisch ein zweites. Kein Netzwerkausfall, keine manuelle Intervention.

Bis Version 10.1 war die Einrichtung von HA in UniFi technisch komplex und fehleranfällig – viele Administratoren vermieden sie, weil die Konfiguration zu viel Erfahrung voraussetzte.

10.1 löst das mit einem geführten Setup:

  1. Schritt-für-Schritt-Assistent führt durch die komplette Einrichtung
  2. Automatische Firmware-Prüfung: Beide Gateways müssen die gleiche Firmware haben – der Controller prüft das und blockiert die Aktivierung, wenn die Versionen nicht übereinstimmen
  3. Echtzeit-Konfigurationssynchronisation: Alle Einstellungen werden live vom primären auf das Shadow-Gateway übertragen
  4. Failover-Verifikation: Ein simulierter Ausfall testet, ob das Backup-Gateway wirklich übernimmt – bevor es im Ernstfall passiert

Das Ergebnis: HA ist jetzt auch für Nicht-Experten zugänglich. Besonders relevant für gewerbliche Kunden, Hotels, Büros und Fincas, bei denen ein Netzwerkausfall echten Schaden bedeutet.

Voraussetzung: Zwei kompatible UniFi Cloud Gateways (z.B. zweimal UCG-Ultra oder zweimal UDM-SE). Das Shadow-Gateway übernimmt über VRRP (Virtual Router Redundancy Protocol) die IP des primären Gateways – für alle Client-Geräte unsichtbar.


8. Roaming Journey – den Weg eines Geräts durch das WLAN verfolgen

In jedem Multi-AP-Netzwerk stellt sich die Frage: Warum hängt das iPhone meines Gastes noch am Access Point im Erdgeschoss, obwohl er schon längst im ersten Stock sitzt? Warum hat das Notebook beim Raumwechsel kurz die Verbindung verloren?

Diese Fragen konnte man bisher nur mit Aufwand beantworten. UniFi 10.1 beantwortet sie mit der Roaming Journey.

Im AirView-Bereich des Controllers lässt sich jetzt für jeden Client visualisieren:

  • Welcher Access Point war zu welchem Zeitpunkt zuständig?
  • Wann hat das Gerät gewechselt (Roaming-Event)?
  • War der Wechsel erfolgreich oder hat er Verbindungsabbrüche verursacht?
  • Welches Band (2,4 GHz / 5 GHz / 6 GHz) wurde genutzt?

Dazu gibt es Filtermöglichkeiten nach Quell- und Ziel-AP, Band, Zeitraum und Gerät.

Praxisnutzen: Mit diesen Daten kann man konkret beantworten:

  • Ist ein weiterer Access Point an einer bestimmten Stelle nötig?
  • Roamt ein Gerät zu spät (Sticky Client – bleibt zu lange am schwachen AP)?
  • Roamt ein Gerät zu früh (Ping-Pong zwischen zwei APs)?
  • Stimmt die Konfiguration des Assisted Roaming (802.11r/v/k)?

Das ist ein echter Fortschritt. Bisher musste man dafür externe Tools wie WiFiman oder manuelle Log-Analyse bemühen.


Teil 3: Der WiFi Doctor im Detail


9. Was ist der WiFi Doctor?

Der WiFi Doctor (in der Ubiquiti-Dokumentation auch „WiFi Agent” genannt) ist ein automatisches Diagnose- und Reparaturwerkzeug, das mit einem einzigen Klick häufige WLAN-Konfigurationsfehler erkennt und behebt.

Das Ziel: Was früher Stunden manueller Analyse erforderte – Kanal-Überlappungen, falsch konfigurierte Roaming-Parameter, IoT-Probleme, veraltete Firmware – soll der WiFi Doctor in Sekunden identifizieren und (wo möglich) automatisch korrigieren.

Wo findet man den WiFi Doctor?

  • Im UniFi Network Controller: WiFiWiFi Doctor (oder WiFi Agent)
  • In der UniFi Mobile App: direkt auf dem Dashboard als Shortcut sichtbar (seit 10.1)

Was prüft der WiFi Doctor konkret?

Prüfpunkt Was er analysiert
ISP / Internetverbindung Unterbrechungen beim Internetanbieter, die Verbindungsprobleme verursachen
AP-Firmware Veraltete Firmware auf Access Points, die zu Instabilität führen kann
APs offline Nicht erreichbare Access Points, die Funklöcher verursachen
Kanaloptimierung Sich überschneidende Kanäle, die zu Interferenzen führen
Roaming-Konfiguration Fehlkonfiguriertes Assisted Roaming (802.11r/v/k)
IoT-Kompatibilität Einstellungen, die IoT-Geräte stören oder ausschließen
Sticky Clients Geräte, die zu lange an einem schlechten AP hängen bleiben
Sendeleistung Zu hohe Sendeleistung, die Roaming verhindert

Nach der Analyse zeigt der WiFi Doctor eine Liste gefundener Probleme mit Erklärung und – wo möglich – einem „Automatisch beheben”-Button.


10. Voraussetzungen für den WiFi Doctor – die häufigste Fehlerquelle

Das ist der Punkt, an dem viele Nutzer nach dem Update auf 10.1 enttäuscht waren: Der WiFi Doctor erscheint nicht oder ist ausgegraut. Der Grund: Er hat strikte Voraussetzungen.

Mindestanforderungen laut Ubiquiti:

  1. UniFi Network 10.1 oder höher (mindestens Version 10.1.83)
  2. Entweder: Direkte Verbindung zum UniFi-Netzwerk (Direct Access – man ist selbst mit dem WLAN oder LAN verbunden, das der Controller verwaltet)
  3. Oder: Remote Access aktiviert (Einstellungen → System → Remote Access aktivieren und Ubiquiti-Account verknüpfen)

Was das in der Praxis bedeutet:

Wer seinen Controller selbst hostet (auf einem PC oder Raspberry Pi) und dabei Remote Access deaktiviert hat, kann den WiFi Doctor nicht nutzen. Das war in der Ubiquiti-Community ein häufiges Thema nach dem Release – viele datenschutzbewusste Nutzer oder Profis, die Remote Access aus Sicherheitsgründen deaktivieren, haben keinen Zugriff auf das Feature.

Ubiquiti hat die Anforderungen inzwischen in der Help-Dokumentation dokumentiert, aber zum Release-Zeitpunkt waren viele Nutzer überrascht.

Weitere Einschränkungen:

  • Der WiFi Doctor benötigt mindestens ein aktives UniFi Cloud Gateway oder UCK Gen2+ als Controller-Hardware. Rein software-basierte Controller auf einem Raspberry Pi haben möglicherweise eingeschränkten Funktionsumfang
  • Die Funktion wurde mit 10.1.83 weiter verfeinert – wer eine frühere 10.1-Version hat, sollte auf 10.1.83 aktualisieren

11. Was der WiFi Doctor automatisch behebt – und was nicht

Das ist der wichtigste Abschnitt für alle, die mit dem WiFi Doctor arbeiten wollen.

Automatisch behebt der WiFi Doctor:

  • Kanalüberschneidungen durch Neuselektion der Kanäle (wie ein manueller „Auto-Channel”-Lauf)
  • Fehlkonfiguriertes Fast Roaming (802.11r) – er aktiviert oder deaktiviert es je nach Gerätekompatibilität
  • IoT-spezifische Einstellungen wie DTIM-Intervall, Minimum Data Rate, Multicast-Filterung
  • Sendeleistungs-Empfehlung (er schlägt vor, die Leistung zu reduzieren, wenn sie zu hoch ist)

Diagnostiziert, aber behebt nicht automatisch:

  • Physische AP-Platzierungsprobleme (er zeigt an, dass ein AP zu weit entfernt ist, kann ihn aber nicht umpflanzen)
  • ISP-Probleme (er erkennt Instabilitäten beim Provider, kann sie aber nicht beheben)
  • Offline-APs wegen Hardware-Defekt oder Kabelprobleme
  • Zu wenige Access Points für die Fläche (er empfiehlt weitere APs, kann sie nicht hinzufügen)

Was er ausdrücklich nicht tut:

  • Er verändert keine manuell gesetzten Konfigurationen ohne explizite Bestätigung
  • Er greift nicht in Firewall-Regeln, VLANs oder Routing ein
  • Er ist kein Ersatz für eine professionelle Netzwerkplanung bei komplexen Umgebungen

12. Bekannte Probleme und Kritik aus der Community

Seit dem Release haben Nutzer und Netzwerk-Profis in der Ubiquiti-Community, auf Reddit und in Fachforen verschiedene Schwachpunkte beschrieben:

Problem 1: „Kein Zugriff auf den WiFi Doctor” Das häufigste Problem. Ursache: Remote Access nicht aktiviert. Lösung: Einstellungen → System → Remote Access einschalten und einen Ubiquiti-Account verknüpfen. Wer das aus Datenschutzgründen nicht möchte, muss auf das Feature verzichten – es gibt keine Alternative.

Problem 2: WiFi Doctor zu oberflächlich für komplexe Setups Profi-Netzwerker kritisieren, dass der WiFi Doctor vor allem für einfache bis mittlere Heimnetzwerke ausgelegt ist. Bei komplexen Setups mit vielen VLANs, mehreren SSIDs und angepassten Roaming-Parametern sind die Empfehlungen manchmal zu generisch oder sogar kontraproduktiv – er empfiehlt zum Beispiel Fast Roaming (802.11r) zu aktivieren, auch wenn im Netz IoT-Geräte hängen, die 802.11r nicht kompatibel unterstützen.

Problem 3: 802.11r und Legacy-Geräte Fast Roaming (802.11r) verbessert das Roaming für moderne Geräte dramatisch. Aber ältere Drucker, Smart-Home-Hubs und bestimmte IoT-Geräte haben bekannte Bugs mit 802.11r-Implementierungen – sie verlieren die Verbindung oder reconnecten in Dauerschleife. Der WiFi Doctor aktiviert 802.11r in manchen Konfigurationen automatisch, ohne auf Altgeräte hinzuweisen. Empfehlung: Nach dem Ausführen des WiFi Doctors prüfen, ob alle IoT-Geräte noch verbunden sind.

Problem 4: Sticky Clients werden erkannt, aber nicht wirklich behoben Das Sticky-Client-Problem (Gerät hängt zu lange am falschen AP) ist eine der meistdiskutierten WiFi-Herausforderungen. Der WiFi Doctor diagnostiziert es korrekt, aber die automatischen Korrekturen (Sendeleistung reduzieren, Minimum-RSSI setzen) sind keine vollständige Lösung. Der eigentliche Grund für Sticky Clients liegt oft beim Client-Gerät selbst – und das kann kein Controller der Welt erzwingen.

Problem 5: „Auto-Optimize Network” war ein Warnzeichen Erfahrene UniFi-Nutzer erinnern sich: Die alte Funktion „Auto-Optimize Network” war berüchtigt dafür, mehr Probleme zu erzeugen als zu lösen. Sie aktivierte mehrere Beta-Features gleichzeitig und überschrieb manuelle Einstellungen. Der WiFi Doctor ist konzeptuell ähnlich, aber besser umgesetzt – er fragt vor jeder Änderung. Trotzdem empfiehlt es sich, jede vorgeschlagene Änderung zu verstehen, bevor man sie bestätigt.


13. WiFi Doctor richtig nutzen – Empfehlungen aus der Praxis

Vor dem ersten Einsatz:

  1. Backup erstellen: Einstellungen → System → Backup → „Backup jetzt erstellen”. Wenn der WiFi Doctor eine Einstellung ändert, die Probleme verursacht, kann man sofort zurückrollen.
  2. Wartungsfenster wählen: Der WiFi Doctor kann Kanäle wechseln und Fast Roaming aktivieren – beides verursacht kurze Re-Authentifizierungen bei verbundenen Geräten. Nicht während einer Video-Konferenz ausführen.
  3. IoT-Geräte kennen: Haben Sie Geräte, die bekannt nicht mit 802.11r kompatibel sind? Notieren Sie sie, und prüfen Sie nach dem Lauf, ob sie noch verbunden sind.

Nach dem Ausführen:

  1. Alle Empfehlungen lesen, nicht blind bestätigen. Jede Änderung hat eine Erklärung – diese Erklärung verstehen.
  2. IoT-Geräte prüfen: Smart-Home-Geräte, Drucker, Heizungssteuerungen – sind alle noch online?
  3. Roaming testen: Mit einem Smartphone durch alle Räume gehen und prüfen, ob der Wechsel zwischen APs reibungslos geschieht.
  4. Controller-Log prüfen: Einstellungen → System → Logs – ungewöhnliche Ereignisse nach dem WiFi-Doctor-Lauf?

Wann den WiFi Doctor NICHT einsetzen:

  • Bei Netzwerken mit vielen alten IoT-Geräten (Baujahr vor 2018) und unbekannter 802.11r-Kompatibilität
  • Kurz vor oder während wichtiger Veranstaltungen (Hochzeitsfeier, Geschäftspräsentation)
  • Als Ersatz für eine professionelle Erstinstallation – der WiFi Doctor optimiert, ersetzt aber keine durchdachte AP-Platzierung und VLAN-Struktur

14. Weitere Neuerungen in 10.1 im Überblick

Starlink-Integration UniFi 10.1 zeigt Starlink-Verbindungen jetzt mit Signalstärke-Details direkt im Controller-Dashboard. Auch der Firmware-Status der Starlink-Hardware ist sichtbar – ohne die separate Starlink-App öffnen zu müssen.

Für Fincas und ländliche Installationen auf Mallorca, die Starlink als primären oder Backup-Anschluss nutzen, ist das ein direkter Gewinn: Alles auf einem Bildschirm.

Hinweis Starlink + UniFi: Das LAN-Subnetz darf nicht 192.168.100.0/24 sein – Starlink nutzt diesen Bereich intern für seine Verwaltung und es kommt sonst zu Konflikten.

Geräte-Tags Access Points, Switches und Clients können jetzt mit frei definierbaren Tags versehen werden – z.B. „Erdgeschoss”, „Pool-Haus”, „IoT”, „Priorität”. Das erleichtert die Filterung und Navigation in größeren Netzwerken mit vielen Geräten erheblich.

Optionale AP-Namenssendung Access Points können jetzt ihren eigenen Namen im Beacon-Frame (Netzwerkankündigungspaket) aussenden. Das vereinfacht WiFi-Site-Surveys erheblich: Tools wie WiFiman sehen nicht nur das SSID-Signal, sondern auch gleich welcher AP es aussendet.

Erweiterte Log-Filterung Das System-Log hat neue Filtermöglichkeiten bekommen: Nach Gerät, Ereignistyp, Schweregrad und Zeitraum filtern. Besonders bei der Fehlersuche in komplexen Umgebungen spart das viel Zeit.

UniFi Site Manager (Early Access) Ein neues zentrales Portal, über das mehrere UniFi-Standorte in einer einzigen Oberfläche verwaltet werden können. Noch in der Early-Access-Phase, aber die Richtung ist klar: UniFi entwickelt sich von einem Single-Site-Tool zu einer echten Multi-Site-Plattform.


15. Update auf 10.1 – was man wissen sollte

Wie aktualisiert man? Im Controller: Einstellungen → System → Anwendung → „Update prüfen”. Oder: Einstellungen → Geräte → alle APs und Switches einzeln aktualisieren.

Vorher unbedingt:

  1. Vollständiges Backup erstellen (Einstellungen → Backup)
  2. Firmware-Kompatibilität prüfen: Alle Geräte sollten aktuelle Firmware haben, bevor der Controller aktualisiert wird. Controller-Version und Geräte-Firmware sind nicht zwingend immer sofort kompatibel.
  3. Downtime einplanen: Der Controller neustartet beim Update kurz. Geräte laufen weiter, aber Konfigurationsänderungen sind in dieser Zeit nicht möglich.

Bekannte Einschränkungen nach dem Update:

  • Ältere Geräte (z.B. erste Generation UAP-AC-Lite, UAP-AC-Pro mit sehr altem Firmware-Stand) können nach dem Controller-Update möglicherweise nicht alle neuen Features nutzen
  • Das Geräte-Firmware-Update auf neue Versionen sollte nach dem Controller-Update geschehen, nicht davor
  • Bei gemischten Netzwerken (ältere Gen1-Switches + neue U7-APs) empfiehlt sich ein Test in einem Staging-Netzwerk, bevor man produktive Systeme aktualisiert

Zusammenfassung: UniFi Network 10.1 auf einen Blick

Feature Nutzen Voraussetzung
WiFi Doctor Automatische WLAN-Diagnose und -Reparatur Remote Access aktiviert oder Direct Access
HA 2.0 Redundante Gateways einfach einrichten 2× kompatible Cloud Gateways
Roaming Journey Roaming-Visualisierung pro Client Multi-AP-Netzwerk, UniFi Cloud Gateway
Site Manager Multi-Standort-Verwaltung Early Access, Ubiquiti-Account
Starlink-Integration Signalstärke und Firmware im Controller Starlink als WAN angebunden
Geräte-Tags Bessere Organisation großer Netzwerke Kein extra Requirement

 

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