Netzwerke

Glasfaser-Farbcodes: Reihenfolge der Fasern einfach erklärt

Glasfaser-Farbcodes: Reihenfolge der Fasern einfach erklärt

Warum jede Faser eine Farbe hat, welche Reihenfolge gilt und woran man erkennt, nach welcher Norm ein Kabel gebaut ist.

Kurz gesagt: In einem Glasfaserkabel ist jede Faser farbig beschichtet, damit sie an beiden Enden eindeutig zugeordnet werden kann. In Deutschland gilt meist die Reihenfolge nach DIN VDE 0888 / IEC 60304 (Rot, Grün, Blau, Gelb …), international und in vielen Kabeln aus Spanien die nach TIA-598 (Blau, Orange, Grün, Braun …). Welche Norm ein Kabel nutzt, steht auf dem Mantel oder im Datenblatt. Raten führt zu vertauschten Fasern.


1. Warum Glasfasern farbig sind

Eine einzelne Glasfaser ist nur 0,125 mm dick. Damit sie nicht bricht, bekommt sie eine Kunststoffbeschichtung von 0,25 mm, das sogenannte Coating. Genau diese Schicht wird eingefärbt.

In einem Kabel liegen oft 12, 24, 96 oder mehr Fasern nebeneinander. Wird das Kabel an zwei Stellen gespleißt (verschweißt), muss Faser 7 am einen Ende auch Faser 7 am anderen Ende sein. Die Farbe ist dafür die einzige verlässliche Markierung. Eine vertauschte Faser bedeutet: Der Anschluss bleibt dunkel, obwohl technisch alles in Ordnung ist.

Aufgeschnittenes Glasfaserkabel mit zwölf farbigen Fasern in der Reihenfolge Rot, Grün, Blau, Gelb, Weiß, Grau, Braun, Violett, Türkis, Schwarz, Orange, Rosa

Zwölf Fasern aus einer Bündelader, hier in der Reihenfolge nach DIN/IEC: Rot, Grün, Blau, Gelb, Weiß, Grau, Braun, Violett, Türkis, Schwarz, Orange, Rosa.

2. Die zwei wichtigen Farbcodes im Vergleich

Es gibt nicht den einen Farbcode. In Europa begegnen einem vor allem zwei Normen:

FaserDIN VDE 0888 / IEC 60304TIA-598
1RotBlau
2GrünOrange
3BlauGrün
4GelbBraun
5WeißGrau (Schiefer)
6GrauWeiß
7BraunRot
8ViolettSchwarz
9TürkisGelb
10SchwarzViolett
11OrangeRosa
12RosaTürkis (Aqua)

Merkhilfe für den schnellen Check: Ist Faser 1 rot, ist es fast immer DIN/IEC. Ist Faser 1 blau, ist es TIA-598.

Achtung: Beide Normen verwenden dieselben zwölf Farben, nur in anderer Reihenfolge. Wer ein DIN-Kabel nach TIA-Tabelle spleißt, verbindet Faser 1 (Rot) mit Faser 7 (Rot). Das passiert in der Praxis häufiger, als man denkt, besonders wenn deutsches und spanisches Material in einer Anlage zusammenkommen.

3. Und ab Faser 13?

Zwölf Farben reichen nicht für große Kabel. Deshalb wird zweistufig gezählt:

  1. Bündeladern (Röhrchen): Die Fasern liegen in Gruppen zu je 12 in kleinen Kunststoffröhrchen, den Bündeladern (englisch loose tubes). Die Röhrchen selbst sind nach demselben Farbcode gefärbt. Röhrchen 1 enthält die Fasern 1–12, Röhrchen 2 die Fasern 13–24 und so weiter.
  2. Ringe oder Streifen: Wo mehr als 12 Fasern in einem Röhrchen liegen oder mehr als 12 Röhrchen im Kabel, wiederholen sich die Farben mit einer zusätzlichen Markierung. Faser 13 ist dann zum Beispiel „Rot mit einem schwarzen Ring“, Faser 25 „Rot mit zwei Ringen“.

Wie die Markierung genau aussieht, unterscheidet sich je nach Hersteller, besonders bei dunklen Grundfarben wie Schwarz, auf denen ein schwarzer Ring nicht sichtbar wäre. Hier hilft nur das Datenblatt des Kabels.

4. Die Zählrichtung im Kabel

Bei größeren Kabeln gibt es oft keine farbigen Röhrchen für jede Position, sondern ein Zählpaar: ein Röhrchen als Anfang (Zähladernstart) und ein benachbartes als Richtungsader. Von dort wird im Kreis weitergezählt, die übrigen Röhrchen sind oft einheitlich gefärbt. Steht die Zählrichtung nicht fest, lässt sich keine Faser eindeutig zuordnen. Auch das gehört deshalb in die Dokumentation jeder Spleißmuffe.

5. Wie ist das in Spanien?

Auf Mallorca begegnen uns Kabel nach TIA-598, nach IEC und herstellereigene Varianten der Netzbetreiber. Eine einheitliche Regel gibt es nicht. Deshalb gilt vor jedem Eingriff in eine Muffe oder einen Verteiler:

  • Mantelaufdruck lesen (Hersteller, Typ, Faseranzahl),
  • Datenblatt prüfen, welcher Farbcode verwendet wird,
  • Bestehende Belegung dokumentieren, bevor eine Faser getrennt wird.

Am Hausanschluss selbst (Drop-Kabel von der CTO zur PTRO) spielt das kaum eine Rolle: Dort liegt meist nur eine einzige Faser im Kabel. Wie das Netz bis zu dir nach Hause aufgebaut ist, erklären wir im Artikel Wie funktioniert das Glasfasernetz von Movistar auf Mallorca?

6. Steckerfarben: nicht mit dem Faser-Farbcode verwechseln

Neben den Fasern haben auch die Stecker Farben. Die bedeuten etwas ganz anderes, nämlich Fasertyp und Schliff:

  • Grün: Singlemode, Schrägschliff (APC). Standard bei FTTH, also auch bei Movistar & Co.
  • Blau: Singlemode, gerader Schliff (UPC).
  • Beige: Multimode OM1/OM2 (ältere Inhouse-Verkabelung).
  • Türkis (Aqua): Multimode OM3/OM4 (Rechenzentrum, Serverraum).

Wichtig: Grüne (APC) und blaue (UPC) Stecker passen mechanisch zusammen, dürfen aber nicht miteinander verbunden werden. Die Stirnflächen sind unterschiedlich geschliffen. Das Ergebnis sind hohe Dämpfung, Reflexionen und im schlimmsten Fall beschädigte Stecker.


Häufige Fragen

Kann ich Fasern nach Gefühl zuordnen, wenn die Farben ähnlich aussehen? Besser nicht. Türkis und Grün oder Weiß und Grau sind unter schlechtem Licht schwer zu unterscheiden. Profis arbeiten mit guter Beleuchtung und prüfen die Belegung anschließend mit einem Rotlicht-Faserprüfer oder OTDR.

Was passiert, wenn zwei Fasern vertauscht sind? Physikalisch nichts, das Licht kommt nur am falschen Ende an. Der Anschluss bleibt dunkel, und der Fehler fällt oft erst bei der Inbetriebnahme auf. Die Suche kostet dann deutlich mehr Zeit als eine saubere Dokumentation vorher.

Gelten die Farbcodes auch für Kupfer-Netzwerkkabel? Nein. Ethernet-Kabel nutzen eigene Farbpaare nach T568A/B. Mehr dazu in Ethernet-Kabel und ihre Abkürzungen.

Muss ich als Endkunde den Farbcode kennen? Nur, wenn Glasfaser auf dem eigenen Grundstück verlegt wird, etwa zum Gästehaus oder zum Pool-Technikraum. Dann sollte die Belegung beider Enden dokumentiert sein, damit spätere Erweiterungen keine Rätselarbeit werden.


Was JumpIT für dich tut

Wir verlegen und spleißen Glasfaser auf dem Grundstück, zum Beispiel zwischen Haupthaus, Gästehaus und Nebengebäude, und dokumentieren jede Faser nach Farbe und Position. Bei Störungen am Anschluss messen wir Dämpfung und Lichtpegel und finden vertauschte oder beschädigte Fasern.

Glasfaser vom Profi: Router, Spleißen und WLAN auf dem Grundstück: Glasfaser auf Mallorca

Siehe auch: Glasfasertechnologie in Spanien – Movistar, Orange, Vodafone und regionale Anbieter im Vergleich

Kontakt: jumpit.eu · JumpIT Netzwerk Service, Llucmajor

Weitere Artikel

Hinweis: Bilder und Teile der Texte auf dieser Seite wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von JumpIT redaktionell geprüft.

← Zum Wissens-Center