Glasfasertypen: OM1 bis OM5, OS1/OS2, G.652.D und G.657
Welche Faser wofür, was die Kürzel bedeuten und welcher Stecker wohin gehört.
Kurz gesagt: Es gibt zwei Familien. Multimode (OM1 bis OM5) hat einen dicken Kern, ist günstig in der Technik und reicht für kurze Strecken im Gebäude oder Serverraum. Singlemode (OS1/OS2) hat einen winzigen Kern und schafft viele Kilometer. Das ist die Faser der Netzbetreiber und jedes Glasfaser-Hausanschlusses. Die ITU-Bezeichnungen G.652.D und G.657 beschreiben, welche Singlemode-Faser genau im Kabel steckt.
1. Der Unterschied liegt im Kern
Jede Glasfaser hat einen lichtführenden Kern und einen Mantel aus Glas, der das Licht im Kern hält. Der Mantel ist immer 125 µm dick. Den Unterschied macht der Kern:
- Multimode (50 oder 62,5 µm): Im dicken Kern laufen viele Lichtwege („Moden“) gleichzeitig, teils gerade, teils im Zickzack. Die kommen leicht zeitversetzt an, das Signal verschmiert. Deshalb ist nach einigen hundert Metern Schluss.
- Singlemode (9 µm): Der Kern ist so dünn, dass nur ein einziger Lichtweg passt. Nichts verschmiert, das Signal kommt über 10, 40 oder 80 km sauber an.
Multimode-Technik nutzt günstige Lichtquellen (LED, VCSEL bei 850 nm), Singlemode braucht präzisere Laser (1310/1550 nm). Früher war das ein großer Preisunterschied, heute kaum noch.
2. Multimode: OM1 bis OM5
Die Klassen OM1 bis OM5 kommen aus der Norm ISO/IEC 11801. Je höher die Zahl, desto mehr Bandbreite und Reichweite.
| Klasse | Kern | Mantelfarbe | 10 Gbit/s | 40/100 Gbit/s | Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| OM1 | 62,5 µm | Orange | ca. 33 m | – | Altbestand, nicht mehr neu verlegen |
| OM2 | 50 µm | Orange | ca. 82 m | – | Altbestand |
| OM3 | 50 µm | Türkis (Aqua) | ca. 300 m | ca. 100 m | Serverraum, Gebäude-Backbone |
| OM4 | 50 µm | Türkis oder Erika-Violett | ca. 400 m | ca. 150 m | Rechenzentrum, Standard bei Neubau |
| OM5 | 50 µm | Limettengrün | ca. 400 m | ca. 150 m (SWDM) | Rechenzentren mit mehreren Wellenlängen |
Wichtig: OM1 (62,5 µm) und OM2 bis OM5 (50 µm) dürfen nicht gemischt werden. Der Kern passt nicht aufeinander, ein großer Teil des Lichts geht am Übergang verloren.
OM5 ist keine „bessere OM4“ für jeden Zweck. Sie ist für Technik gedacht, die mehrere Lichtfarben (850 bis 950 nm) gleichzeitig über eine Faser schickt. Wer das nicht nutzt, ist mit OM4 genauso gut bedient.
3. Singlemode: OS1 und OS2
Singlemode-Kabel sind meist gelb. Die Klassen OS1 und OS2 beschreiben nicht die Faser selbst, sondern das Kabel und seine Dämpfung:
- OS1 (heute OS1a): für Innenkabel mit fest umhüllten Fasern, Dämpfung bis 1,0 dB pro km. Gedacht für Gebäude und kurze Strecken.
- OS2: für Außenkabel mit Bündeladern, Dämpfung bis 0,4 dB pro km. Reicht für viele Kilometer und ist der Standard bei Erdkabeln und zwischen Gebäuden.
In beiden Fällen steckt meist dieselbe Faser drin, nämlich G.652.D. Der Unterschied liegt im Kabelaufbau.
4. G.652.D, G.657 und G.656: die ITU-Bezeichnungen
Wer Datenblätter liest, findet statt OS1/OS2 oft eine ITU-Nummer. Die drei wichtigsten:
G.652.D – die Standard-Singlemode-Faser. Die mit Abstand häufigste Faser der Welt. Das „D“ steht für „Low Water Peak“: Bei der Herstellung wird fast alles Wasser aus dem Glas entfernt. Dadurch ist der ganze Bereich von 1260 bis 1625 nm nutzbar, auch für CWDM mit vielen Wellenlängen.
G.657.A1 und A2 – biegeunempfindlich. Eine Weiterentwicklung von G.652.D, die enge Biegungen verträgt, ohne Licht zu verlieren:
- G.657.A1: Biegeradius bis 10 mm
- G.657.A2: Biegeradius bis 7,5 mm
- (G.657.B3: bis 5 mm, für sehr enge Verlegung in Wohnungen)
Die A-Varianten sind voll kompatibel mit G.652.D und lassen sich problemlos miteinander verspleißen. Das dünne Drop-Kabel, das von der CTO am Mast zu deinem Haus läuft, enthält fast immer G.657.A2. Nur deshalb darf es um Hausecken und durch Leerrohre geführt werden.
G.656 – nicht verwechseln. Die Nummer klingt ähnlich, meint aber etwas ganz anderes: eine Faser für Weitverkehrsstrecken mit vielen Wellenlängen (DWDM) zwischen Städten oder Ländern. Im Haus, auf dem Grundstück oder im FTTH-Netz kommt sie nicht vor. Wer „A1/A2“ meint, meint G.657.
5. Die Steckertypen
Neben der Faser entscheidet der Stecker, was zusammenpasst. Die sechs häufigsten im Überblick:
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Was du davon in der Praxis siehst:
- SC (meist grün): am Glasfaser-Anschluss, an der PTRO-Dose und am Router bzw. der ONT. Grün bedeutet Schrägschliff (APC).
- LC (klein, oft als Duplex-Paar): an Switches, SFP-Modulen und Patchfeldern. Bei UniFi-Switches mit SFP-Port ist das der Normalfall.
- E2000: in Deutschland bei vielen Netzbetreibern verbreitet, auf Mallorca selten.
- MPO/MTP: nur im Rechenzentrum.
Die wichtigste Regel: Grüne (APC) und blaue (UPC) Stecker niemals verbinden. Sie passen mechanisch zusammen, aber die Stirnflächen sind unterschiedlich geschliffen. Mehr zu Farben und Faser-Reihenfolge findest du im Artikel Glasfaser-Farbcodes: Reihenfolge der Fasern einfach erklärt.
6. Was nehme ich wofür?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Glasfaser-Hausanschluss (Movistar & Co.) | Singlemode G.657.A2, SC/APC. Legt der Anbieter. |
| Verbindung zwischen Haupthaus und Gästehaus, Pool-Technik, Nebengebäude | Singlemode OS2 (G.652.D oder G.657.A1), Außenkabel. Auch bei 50 m. |
| Innerhalb eines Raums, Switch zu Switch | Singlemode oder OM4 mit LC, je nach SFP-Modul |
| Serverraum, Rechenzentrum | OM4 oder Singlemode, bei hoher Dichte MPO |
| Bestehende OM1/OM2-Leitung | Weiterverwenden, solange 1 Gbit/s reicht. Für 10 Gbit/s neu verlegen. |
Unsere Empfehlung für Fincas und Grundstücke: immer Singlemode. Der Preisunterschied bei Kabel und SFP-Modulen ist heute minimal, Singlemode schafft jede Distanz auf dem Grundstück und ist auch für 10, 25 oder 100 Gbit/s in Zukunft gerüstet. Multimode spart nur im Rechenzentrum noch Geld.
Häufige Fragen
Kann ich Multimode- und Singlemode-Fasern verbinden? Nicht direkt. Licht aus der dicken Multimode-Faser passt nicht in den 9-µm-Kern. Dafür braucht es einen Medienkonverter oder einen Switch mit passenden SFP-Modulen auf beiden Seiten.
Woran erkenne ich, welche Faser bei mir verlegt ist? Am Mantelaufdruck: Dort stehen Faseranzahl, Typ (z. B. „9/125 G.657.A2“ oder „50/125 OM4“) und Hersteller. Die Mantelfarbe ist ein guter Hinweis, aber kein Beweis. Gerade bei Außenkabeln ist der Mantel immer schwarz.
Brauche ich zu Hause OM5 oder OS2? Im Haus und auf dem Grundstück: OS2 bzw. Singlemode. OM5 lohnt sich nur in Rechenzentren mit spezieller Mehr-Wellenlängen-Technik.
Ist G.657 schlechter als G.652.D? Nein. G.657.A1/A2 erfüllt alle Werte von G.652.D und verträgt zusätzlich enge Biegungen. Für Hausanschlüsse und Innenverlegung ist sie die bessere Wahl.
Was JumpIT für dich tut
Wir planen und verlegen Glasfaser auf dem Grundstück: zwischen Haupthaus, Gästehaus, Werkstatt und Pool-Technik, mit passenden Außenkabeln, sauberen Spleißen und dokumentierter Belegung. Dazu kommen Switches und SFP-Module, die zur verlegten Faser passen.
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Siehe auch: GPON und XGS-PON: was steckt hinter deinem Glasfaseranschluss?
Kontakt: jumpit.eu · JumpIT Netzwerk Service, Llucmajor
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